Gebäude
In dieser Rubrik stellen wir euch verschiedene Gebäude aus der Gegenwart und der Vergangenheit vor. Diese Gebäude befinden sich natürlich nicht im Besitz des Museums, spielen jedoch eine historisch bedeutende Rolle in der Geschichte der luxemburgischen Ordnungskräfte. Aus diesem Grund möchten wir ihnen hier eine eigene Rubrik widmen.
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Kaserne der Gendarmerie auf Verlorenkost
Von 1881 bis zur Besetzung durch deutsche Truppen im Jahr 1940 bestand die luxemburgische bewaffnete Macht aus einer Gendarmenkompanie und einer Freiwilligenkompanie, die dem Befehl eines Major-Kommandanten unterstanden.
Die Freiwilligenkompanie, die Brigade Luxemburg sowie verschiedene Dienststellen der Großherzoglichen Gendarmerie und deren Kommando waren in der Heilig-Geist-Kaserne (Caserne du Saint-Esprit) in Luxemburg-Stadt untergebracht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die bewaffnete Macht neu aufgebaut und organisiert werden, da sie von den Besatzern aufgelöst worden war. Zu diesem Zweck wurde das Gesetz vom 16. Februar 1881 über die Freiwilligenkompanie bereits am 14. Juni 1944 „bis auf Weiteres“ aufgehoben. Damit hörte die Gendarmen- und Freiwilligenkompanie in ihrer bisherigen Form auf zu bestehen.
Am 30. November 1944 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Anschließend wurde die Gendarmerie durch großherzoglichen Erlass vom 4. Juni 1945 neu organisiert und ihr Personalbestand auf 338 Einheiten erhöht.
Diese Vergrößerung des gesamten Gendarmeriekorps, aber auch die Aufstockung der Brigade Luxemburg auf 100 Einheiten, stellte die Gendarmerie vor neue Raum- und Büroprobleme. Dies umso mehr, als beschlossen worden war, dass sie ihre Räumlichkeiten in der Heilig-Geist-Kaserne bis Ende 1951, Anfang 1952 zugunsten der neuen luxemburgischen Armee räumen musste.
So wurden 1947 der SSP (Service de la Sûreté publique – Öffentlicher Sicherheitsdienst) und wenig später das Kommando der Gendarmerie in einem Gebäude mit 22 Büroräumen am Boulevard Franklin D. Roosevelt Nr. 31 in Luxemburg-Stadt untergebracht. 1951 zog der SSP erneut um, diesmal in die Rue de la Poste Nr. 1. Die Brigade Luxemburg wiederum war ab dem 15. Januar 1952 in der Rue Jean Jaurès Nr. 18 im Stadtviertel Hollerich untergebracht.
Seit der Neuorganisation der Gendarmerie nach dem Zweiten Weltkrieg waren ihre verschiedenen Dienststellen somit über die Stadt Luxemburg verteilt und litten unter erheblichem Platzmangel. Dieser Zustand konnte nicht länger andauern, und es musste eine neue Lösung gefunden werden.
Vermutlich zu diesem Zweck wurde am 12. April 1949 von den Mitgliedern der Abgeordnetenkammer eine Zentralsektion für den Gesetzentwurf Nr. 242 über den Bau von Gebäuden für die Gendarmerie auf dem Verlorenkost eingerichtet.
Schließlich wurde die Regierung durch das Gesetz vom 3. August 1949 ermächtigt, 17 Gebäude für die verschiedenen Dienststellen zu errichten, darunter insbesondere 113 Dienstwohnungen. Die vorgesehenen Gesamtausgaben beliefen sich auf 75.000.000 luxemburgische Franken (Flux). (Mémorial A36 vom 6. August 1949).
Der Staatsarchitekt Hubert Schumacher wurde mit der Ausarbeitung der Pläne beauftragt. Im Laufe des Monats Dezember 1949 wurden in den luxemburgischen Tageszeitungen die ersten Ausschreibungen für die Vergabe der Rohbauarbeiten veröffentlicht. Die ersten Bauarbeiten begannen vermutlich im Jahr 1950.
Die Kaserne wurde auf dem Plateau des Verlorenkost entlang der Rue Auguste Lumière und in der Nähe des staatlichen bakteriologischen Labors errichtet. Vier Hauptgebäude mit Nebengebäuden wurden gebaut, um künftig verschiedene Dienststellen aufzunehmen, darunter das Kommando (Dezember 1951), die Brigade Luxemburg (ab dem 15. Dezember 1955) und den SSP, der später zum Service de Police Judiciaire (SPJ – Kriminalpolizeilicher Dienst) wurde. Später kamen das C.R.J.J. (ab dem 2. Januar 1973), das Pressebüro GENDAPOL (ab dem 5. Januar 1976) und das RIFO (Réseau Intégré des Forces de l’Ordre – Integriertes Funknetz der Ordnungskräfte; sein Vorgänger „Charly Romeo“ war am 22. Januar 1979 in Betrieb genommen worden) hinzu. Außerdem befanden sich dort Dienstwohnungen für die Gendarmen. Den verschiedenen Teilen dieser Gebäude wurden die Hausnummern 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 17 und 19 zugeteilt.
Im Laufe der Zeit wurden Teile der Kaserne dem Kommando der Armee und der NAMSA zur Verfügung gestellt.
Die Gebäude der Zentralgarage und des Materialdepots der Gendarmerie sollten hingegen unterhalb des Verlorenkost-Plateaus in einem ehemaligen staatlichen Steinbruch errichtet werden. Dieser hatte zuvor unter anderem Steine für den Bau der Adolphe-Brücke geliefert und war später von der verstaatlichten örtlichen Polizei als Schießstand genutzt worden.
Zu diesem Zweck wurden zwei Gebäude errichtet, die an der Vorderseite durch einen Übergang miteinander verbunden waren und gemeinsam eine U-förmige Anlage um einen nahezu rechteckigen Innenhof bildeten. Ein drittes Gebäude, in dem sich die Werkstatt für mechanische Reparaturen befand, wurde am hinteren Ende dieses Hofes errichtet, ohne mit den beiden anderen Gebäuden verbunden zu sein. In der Mitte des Hofes der Zentralgarage befindet sich eine weltweit einzigartige Konstruktion: die berühmte runde Betonüberdachung der Zapfsäule, die den Spitznamen „Sonneprabbeli“ trägt.
Um die neue Garage der Gendarmerie leichter zugänglich zu machen, wurde die Rue Marie et Pierre Curie angelegt. Sie verbindet die Rue Auguste Lumière auf dem Plateau mit dem tiefer gelegenen Boulevard du Général George S. Patton.
Im hinteren Hof der Garage befindet sich noch heute der Zugang zu den Kasematten des Forts „Neipperg“ der ehemaligen Festung Luxemburg. Während des Zweiten Weltkriegs, also noch vor dem Bau der Zentralgarage, dienten diese Kasematten der Bevölkerung als Luftschutzbunker.
Nur wenige Wochen vor der Befreiung des Großherzogtums ereignete sich dort ein tragisches Ereignis. Fünfzehn Menschen, die in diesem Schutzraum Zuflucht gesucht hatten, darunter sechs Kinder, kamen bei einem alliierten Luftangriff am 9. August 1944 ums Leben.
Der Bau der Zentralgarage wurde 1954 abgeschlossen. Im Jahr 1955 wurde die Gendarmerieschule in einem Flügel der Garage eingerichtet. Dort blieb sie bis zu ihrem Umzug im Jahr 1968 in das Militärzentrum in Diekirch.
Im Laufe der Jahre wurden in den Räumlichkeiten der Zentralgarage außerdem ein Unterrichtsraum, die technischen und logistischen Dienste, die Waffenkammer, die funktechnische Werkstatt, eine automatische Waschanlage und weitere Einrichtungen untergebracht.
Anfang 1990 wurde in der Rue Marie et Pierre Curie neben der Villa Hartmann ein neues Verwaltungsgebäude für die Gendarmerie errichtet. In der Villa Hartmann befand sich seit 1991 die Gendarmerie- und Polizeischule. Dem neuen Verwaltungsgebäude wurde die Hausnummer 1 zugeteilt. Nach und nach fanden dort verschiedene Dienststellen der Gendarmerie ihre neue Unterkunft.
Anfang der 2000er-Jahre wurde ein Projekt zum Bau einer neuen „Cité policière“ auf dem Verlorenkost ins Leben gerufen. Dieses Projekt wurde schließlich im Jahr 2008 aufgegeben.
Nach der Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie im Jahr 2000 wurden die Gebäude der Garage sowie der technischen und logistischen Dienste von der neu geschaffenen Großherzoglichen Polizei (Police Grand-Ducale) übernommen. Da diese Räumlichkeiten schließlich als zu klein angesehen wurden, verlegte die Polizei die Garage sowie die technischen und logistischen Dienste an einen neuen Standort in Hamm.
Nach dem Umzug dieser Dienststellen beherbergte die ehemalige Zentralgarage auf dem Verlorenkost das Polizeimuseum, bis dieses im Jahr 2022 nach Capellen umzog.
Derzeit ist vorgesehen, dort den Personenschutz/Fahrdienst der Regierung unterzubringen. Zuvor sind jedoch Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten erforderlich.
Nach der Fusion wurden die Gebäude auf dem Plateau in der Rue Auguste Lumière noch einige Zeit von der Polizei für verschiedene andere Zwecke genutzt, unter anderem von der Polizeischule und des damaligen UGRM (Unité de Garde et de Réserve Mobile, heute UGAO, Unité de Garde et d'Appui Opérationnel).
Dasselbe gilt für das ehemalige Verwaltungsgebäude in der Rue Marie et Pierre Curie, das in den 1990er-Jahren errichtet wurde. Heute befinden sich dort unter anderem das Polizeikommissariat Luxemburg, die Regionaldirektion, die Verkehrspolizei und der Abschlepp- bzw. Verwahrdienst.
Von den Kasernengebäuden in der Rue Auguste Lumière werden heute nur noch die Gebäudeteile 17 bis 19 von der Polizei genutzt. Dort sind das CNTP (Centre national de tactique policière – Nationales Zentrum für Polizeitaktik), das CNC (Fahrschule) und das SNPGL untergebracht.
Die Gebäudeteile 11 bis 15 stehen derzeit leer, die Teile 7 bis 9 wurden einem Künstlerkollektiv zur Verfügung gestellt und die Teile 3 bis 5 einer anderen staatlichen Verwaltung überlassen.
Über Jahrzehnte hinweg beherbergte die Kaserne auf dem Verlorenkost das Herzstück der Gendarmerie. Selbst die Auflösung der Gendarmerie im Jahr 2000 änderte nichts an der Bedeutung und Nutzbarkeit dieser Kaserne für die Ordnungskräfte. Bis heute dient sie ihnen für unterschiedliche Zwecke.
Text: Copyright by Policemusée
Photos: Sammlung Policemusée
Heilig-Geist Kaserne
Von 1881 bis zur Besetzung durch deutsche Truppen im Jahr 1940 bestanden die luxemburgischen Streitkräfte aus einer Gendarmeriekompanie und einer Freiwilligenkompanie, die unter dem Kommando eines Major-Kommandanten standen.
Die Freiwilligenkompanie, die Brigade von Luxemburg und verschiedene Dienststellen der großherzoglichen Gendarmerie (Kavallerie, Kfz-Werkstatt, Waffenkammer usw.) sowie deren Kommando waren in der Kaserne „Saint-Esprit“ in Luxemburg-Stadt untergebracht.
Im Jahr 1952 musste die Gendarmerie ihre Räumlichkeiten in der Kaserne „Saint-Esprit“ zugunsten der neuen luxemburgischen Armee räumen.
Brigade Luxemburg in Hollerich
Nachdem die Gendarmerie ihre Räumlichkeiten in der Heilig-Geist-Kaserne im Jahre 1952 zu Gunsten der Armee aufgeben musste und bevor sie in ihre neue Kaserne auf Verlorenkost umziehen konnte, wurde die Brigade Luxemburg ab dem 15 April 1952 in Hollerich auf n°18, rue Jean Jaurès einquartiert. Dort verblieb sie bis zum 2. Dezember 1955 als sie endlich ihre Räumlichkeiten in der Kaserne auf Verlorenkost beziehen konnte.
Brigade Dippach
Die Gendarmerie-Brigade Dippach wurde am 29.05.1885 durch Grossherzoglichen Beschluss gegründet und am 25.04.1912 nach Niederkerschen verlegt.
Wo sich das Haus, welches die Gendarmerie beherbergte, genau befand, ist unbekannt.
Brigade Frisingen
Die Maréchaussée-Station Frisingen wurde am 14. April 1840 durch den Chef der Zivildienste, Hassenpflug, ins Leben gerufen, da sich die Schaffung einer eigenen Polizeitruppe für das Großherzogtum aufdrängte, nachdem Luxemburg 1839 unabhängig und der Bund zwischen den Niederlanden und Belgien aufgelöst worden war.
Die Station Frisingen war anfangs mit drei Mann zu Fuß besetzt – einem Brigadier und zwei Maréchaussées – und in einem Haus in der Luxemburgerstraße (altes Rathaus) in Frisingen untergebracht. Sie war zu diesem Zeitpunkt eine von lediglich 16 Maréchaussée-Stationen im Großherzogtum.
Im Jahre 1841 wurde die Mannschaftsstärke um einen weiteren Brigadier zu Fuß erhöht. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde die Bezeichnung „Maréchaussée“ durch königlich-großherzoglichen Beschluss in „Gendarmerie“ geändert.
Im Jahre 1846 setzte sich die Mannschaft der Brigade aus einem Unteroffizier (Brigadier) und drei Gendarmen zusammen.
Frisingen verlor trotz seiner Lage an einer wichtigen Verkehrsader in den folgenden Jahren zunehmend an Bedeutung, da sich in der Nachbargemeinde Bettemburg ein Bahnhof befand, der sich zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt entwickelte.
So wurde die Brigade Frisingen schließlich durch königlich-großherzoglichen Beschluss vom 18. August 1859 aufgelöst und nach Bettemburg verlegt.